US Arbeitsmarkt-Bericht zeigt beide Seiten der Medaille

Am Freitag wurde der monatliche Arbeitsmarktbericht der USA veröffentlicht, welcher einige Überraschungen bereithielt.

Der Consensus ging davon aus, dass im April etwa 1 Mio. neue Arbeitsplätze besetzt wurden konnten, doch diese Schätzungen wurden im Durchschnitt um ganze 75% verfehlt, mit "nur" 266.000 neu besetzten Stellen.

Darüber hinaus stieg damit die Arbeitslosenquote leicht von 6% auf 6,1% an.

Um die Stimmung noch weiter zu dämpfen, wurden auch noch die Ergebnisse des Arbeitsmarktberichts aus dem letzten Monat leicht nach oben (also negativ) revidiert.

Kaum überraschend fiel daraufhin der Dollar und Anleiherenditen auf langläufige Staatsanleihen sanken schlagartig.

Doch eine weitere Komponente aus dem Job Report zeigte ein etwas anderes Bild, ein Punkt der mich persönlich nachdenklich stimmt.

Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen nämlich überraschen stark an. Genauer gesagt stiegen diese um 0,7% während der Consensus der Schätzungen mit keinerlei Veränderung rechnete.

Was lässt sich also daraus ableiten, wenn die Stundelöhne steigen aber die Arbeitslosenquote ebenfalls steigt? Es spricht derzeit vieles dafür, dass Arbeitgeber ihre ausgeschriebenen Stellen einfach nicht besetzen konnten. Dies lässt sich meines Erachtens auch darauf zurückführen, dass die Stimulus Pakete in den USA weiterhin aktiv sind und auch eine Art Arbeitslosengeld weiterhin gezahlt wird. Gerade im Bereich der schlechter bezahlten Jobs könnte dies darauf hindeuten, dass Arbeitnehmer lieber zu Hause bleiben und die staatlichen Hilfen in Anspruch nehmen, als für dasselbe Geld zu arbeiten. Ich meine wer würde dies nicht machen. Wir sahen in der Vergangenheit bereits, dass teilweise die Arbeitslosenchecks höher waren als einige monatliche Checks von gering verdienenden Arbeitnehmern. Lawrence McDonald bringt es mit seinem leicht sarkastischen Tweet auf den Punkt.

Sollte der Trend aus diesem Monat weiter anhalten, wäre es natürlich ein super Gau, wenn wir eine Abkühlung der Wirtschaft bzw. genauer gesagt auf dem Arbeitsmarkt sehen sollten und gleichzeitig stark steigende Gehalts-Inflation. Auf der Angebotsseite hat die FED sowieso nur begrenzte Mittel zur Verfügung, um an dem Rädchen der Gehalts-Inflation zu drehen, vielmehr wäre dies hauptsächlich durch einen Wegfall von Arbeitslosen-Hilfen möglich, welche jedoch von fiskalpolitischer Seite gesteuert werden.

Die FED sieht sich mit dem neusten Arbeitsmarktbericht auf jeden Fall in ihrer eigenen Aussage bestätigt, dass noch ein langer und steiler Weg vor einer breiten Wirtschaftserholung und einer Normalisierung hin zu Vollbeschäftigung liegt.


Sollten sich die steigenden Preistrends wie auch höhere Kosten für Arbeit über die nächsten Wochen, wie auch in den letzten Monaten, weiter verteuern, hätte sich an der Ausgangssituation für die FED meines Erachtens jedoch wenig verändert.

Frühzeitiges Tapern oder zumindest das Signal zu senden, dass man darüber nachdenkt, erscheint mir trotz der aktuellen Entwicklungen weiterhin angemessen.

Etwas positives lässt sich aber vielleicht aus dem Job Report herauslesen. Steigende Löhne und ggf. Boni für den Antritt einer neuen Stelle könnten gekommen sein, um längerfristig zu bleiben. Diese Entwicklung würde der amerikanischen Unterschicht über einen langen Zeitraum am meisten helfen.